ZEIT ist ein eigenartiges Konstrukt in unserem Kopf, denn jeder empfindet Zeit persönlich. Und wie Zeit wahrgenommen wird, hängt sehr von der Lebensführung und Lebenssicht ab. Wenn mein Leben zeitlich durchgetaktet ist, dann ist Zeit ein knappes Gut, der Kalender ist mein Zuchtmeister, den ich selbst dazu ermächtigt habe. – Goethe war der Überzeugung: „Der Müßiggang ist aller Dinge Anfang“, was übersetzt werden darf mit:“ In der zweckfrei gelebten Zeit entsteht Neues.“ - „Wozu Neues?“ – Weil uns sowohl die Neugier lockt als auch ein zu enges Korsett uns den Atem nimmt. Goethe hatte das formuliert, genau wie die Mystiker des europäischen Mittelalters und des buddhistischen und hinduistischen Kulturraumes: Wer dem Wesentlichen begegnen möchte, braucht die innere Versenkung in die Stille unter fortschreitender Ausblendung aufdringlicher Bilder, Geräusche und Gefühle. Das stellt eine der schwierigsten Zen-Übungen dar: „Wenn du auslöschst Sinn und Ton, was hörst du dann? – Derartige Kontemplation führt in einen zeitlosen Zustand, weil es ein Fließzustand ist, ohne Wollen und Müssen, ohne Alltägliches. Der „Fluss in dir“ ist immer da. Du brauchst nur einzutauchen… und findest Neues, denn „Wer in dieselben Flüsse hinabsteigt, dem strömt stets anderes Wasser zu.“, schrieb Heraklit, und beschrieb damit wahrscheinlich sein „Schöpfen“ aus der zeitlosen Schöpfung. In der Verbindung mit der Schöpfung liegt „Zeitlosigkeit“, Leichtigkeit und Befreiung, denn der uns „ewig“ erscheinende Fluss des Werdens und Vergehens, schließt unser eigenes Werden und Vergehen mit ein: Du kannst deinen Frieden damit machen oder es verdrängen, aber gewiss ist das eine: am Ende wird es dunkel!


  • Datum:08/20/2026 06:00 AM - 08/30/2026 02:00 PM
  • Ort Hochbunker K101, Körnerstraße 101, 50823 Ehrenfeld, Deutschland (Karte)